Berlinreise für politisch Interessierte aus dem Wahlkreis vom 24.-26. Juni 2010

Juli 13, 2010

Bei der zweiten Berlinreise in diesem Jahr stand der Sport im Blickpunkt – 25 LehrerInnen aus den weiterführenden Schulen des Wahlkreises und 25 Verantwortliche aus den Kreissportbünden bildeten eine interessierte und kritische Reisegruppe. Entsprechend diesen Vorgaben wurde die Reise gestaltet.
Am ersten Tag, dem 24.6., wurden wir am Zug von unserer Reiseführerin, Frau Kresse, abgeholt. Nach einem Mittagessen ging es in die Parteizentrale der Grünen im Osten Berlins. Wir erlebten dort einen ruhigen, offenen, ehrlichen und fundierten Vortrag über die Geschichte der Grüden und ihre Politik. Alle waren vom Vortragenden, Herrn Daniel Holefleisch (aus Göttingen!), Vorstandsreferent der Grünen für Unternehmenskontakte und Fundraising, begeistert. Dazu gab eine Kurzvisite von Claudia Roth, die auf dem Sprung nach Hamburg war.
Als nächstes besuchten wir das Denkmal für die ermordeten Juden. Dank des schönen, warmen Wetters war es eine beeindruckende Erfahrung, durch die großen, kühlen Stelen zu laufen, sich zu verlieren und doch einen Weg heraus zu finden. Das Museum unterhalb des Stelenfelds ist ganz an den Einzelschicksalen der ermordeten Juden aus ganz Europa ausgerichtet. Danach ging es zum Hotel in Hohenschönhausen, das zwar kein Sporthotel, aber ein Hotel für SportlerInnen ist: Wegen der direkten Nähe zum Sportforum (davon unten mehr) übernachten viele SportlerInnen dort, die an den Wettbewerben bzw. am Training teilnehmen.
Am nächsten Tag, dem 25.6., war die erste Besuchsstation (nach der ersten Etappe der Stadtrundfahrt) das Bundesinnenministerium, wo uns zwei Damen empfingen – eine altgediente Referentin, die schon seit den 1980er Jahren die Geschicke des BMI in Bonn und Berlin verfolgt, und eine zweite Referentin aus der Abteilung für Sport des BMI in Bonn. Es wurde kritisch darüber diskutiert, wie der Bund, der ja im Wesentlichen nur für den Spitzensport zuständig ist, den Breitensport, der letztlich die SportlerInnen ausspäht und ausbildet, die anschließend im Obhut des Bundes ihre olympischen Qualitäten entfalten dürfen, besser unterstützen könnte. Leider bietet die jetzige Regierung auf diese dringende Frage keine sehr befriedigenden Antworten.
Am Nachmittag fuhren wir zum Bundestag und erlebten das volle Programm – einen sehr fundierten Vortrag auf den Besucherrängen über die Funktionsweise des Bundestags und natürlich den obligatorischen Besuch der schönen Kuppel mit Bild. Dazwischen gab es eine Frage-/Antwort-Stunde mit den beiden Referenten David Kipp und Martin Kröhnert, letzterer für Sportfragen zuständig. Martin gab uns einen faszinierenden Einblick in das Innenleben des Sportausschusses des Bundestags, die Zuständigkeiten, Zwiste und Pläne. Spätestens hier wurde klar, dass die Grünen eine ganz andere Sportpolitik betreiben und propagieren als die jetzige Bundesregierung.
Das Abendessen gab es in einem Restaurant direkt gegenüber dem Bundestagsgebäude – und um 18.30 Uhr kam Viola dazu, in Begleitung ihres ältesten Sohnes. Wir verlagerten das Gespräch bei Bier und Cola nach draußen in den Biergarten, der zwar lauschig und kühl, dafür aber ein wenig laut war. Zuerst in der großen Runde, später im kleineren Kreis diskutierten wir ausführlich über die Themen, die schon beim Besuch im BMI und im Bundestag angeschnitten worden waren: Unterstützung des Schulsports und des Breitensports durch den Bund, bessere Verzahnung des Breitensports mit dem Spitzensport, Ausbildung und Vergütung der Ehrenamtlichen, Zusammenarbeit der Schulen mit den Vereinen. Nach diesem Gespräch stürzten sich viele in das abend- und nächtliche Großstadtgetümmel.
Am letzten Tag gingen wir zu Fuß den kurzen Weg vom Hotel zum ehemaligen Stasigefängnis Hohenschönhausen. In zwei Gruppen aufgeteilt, erlebten wir dort in den Erzählungen der beiden Führer die Zustände in der ehemaligen DDR. Erschütternde persönliche Berichte machten aus den hässlichen Gebäude lebendige Geschichte. Lange dauerten die Gespräche hinterher an, sowohl mit den Führern als auch untereinander, über dieses einmalige Erlebnis.
Zum nächsten Termin blieben wir in Hohenschönhausen, nur wenige Kilometer weiter, beim sog. Sportforum, der alten DDR-Kaderschule für alles Sportliche, heute eine Sporteliteschule und ein Internat für den Spitzensport. Der Geschäftsführer dort, Herr Krüger, nahm sich fast 2 Stunden Zeit für unseren Besuch und zeigte uns die vielfältige Hallenlandschaft dieser Einrichtung – selbst Eiskunstlauf wurde fleißig geprobt an diesem warmen Junitag. Wir erlebten einen kompetenten und auskunftsfreudigen Führer durch die zum größten Teil älteren Gebäude und das Außengelände.
Nach einer letzten Mahlzeit und dem zweiten Teil der Stadtrundfahrt (die manche zum leisen Nickerchen nutzten) kehrten wir satt und von Eindrücken überwältigt zum Wagen 5 unseres Zuges in die Heimat zurück. Die Rückfahrt war geprägt von weiteren Diskussionen über die gemeinsamen Erlebnisse.

Verfasst von Joseph Smith

Besuch auf der Kuppel des Bundestags 25.6.2010
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